Die Auswirkungen

 

Die Auswirkungen des sexuellen Übergriffs:



Gefühle der Schuld

Durch sexuellen Missbrauch geschädigte Menschen neigen dazu die Schuld für den Übergriff bei sich zu suchen, glauben nicht ausreichend Gegenwehr aufgebracht zu haben. ("Ich hätte doch nein sagen können" oder "Es wäre nicht passiert, wenn ich mich dagegen gewehrt hätte“).


Zerstörtes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen

Die Opfer fühlen sich hilflos und ohnmächtig dem Täter gegenüber aber auch gegenüber anderen Menschen. Den Opfern wird zudem oft eingeredet sie seien schlecht und deshalb hätten sie es nicht anders verdient. Häufig führt das dazu, das die Opfer dem Täter mit der Zeit glauben, wenn er sagt sie seinen wertlos, sich tatsächlich wertlos fühlen.


Gefühle der Angst

Die sexuellen Übergriffe lösen ständig andauernde Angstzustände aus, Angst vor Auseinanderbrechen der Familie, vor Enddeckung des Geheimnisses, vor Verlust der Liebe, vor Reaktionen der Umwelt…


Die eigene Gefühleswelt ist gestört

Die Betroffenen misstrauen oft ihren Gefühlen, sie sind unsicher ob ihr Gefühlsleben "richtig" ist. In vielen Fällen rufen Reden des Täters wie "Das gefällt dir", "Das ist völlig normal" oder "Komm das magst Du doch auch!" das hervor. Die Opfer werden unsicher, wenn ihr Körper Erregung zeigt und stellen Überlegungen an, ob sie nicht doch Gefallen daran haben. Die natürlichen Körperreaktionen sind ihnen fremd und deshalb wissen sie nicht, dass ihre Empfindungen des Hasses, der Abneigung und des Ekels damit nicht zu tun haben.


Dissoziation und Gefühlsverlust

Zum Überleben spalten die Opfer während des Missbrauchgeschehens die unangenehmen Empfindungen und Gefühle ab. Eine große Anzahl Geschädigter beschreiben das Gefühl neben ihren Körper zu stehen. Oft wird auch beobachtet, dass die Betroffenen eine große Phantasie entwickeln, obwohl sie Unterhaltungen führen, nur wenig ins Bewusstsein dringt und sie sich Tagträumereien hingeben. Eine Entwicklung bis zur multiplen Persönlichkeitsstörung können diese Symptome verursachen.


Gefühle der Scham

Die Opfer entwickeln Schamgefühle weil sie sich benutzt, wertlos und schmutzig fühlen und die sexuellen Handlungen Ekel erregen. Obwohl sie sich gegen den Missbrach wehren, zeigt der eigene Körper häufig auch Erregung. ("es war so schrecklich, aber es hat den Anschein als ob es mir doch gefallen hat"). Schamgefühle entstehen auch weil sie es "mitgemacht" haben.


Ausprägung von Zwängen

Es werden verschiedene Zwänge beobachtet, beispielsweise der Kontrollzwang. Die Ursache für diesen Zwang liegt meist darin, dass die Opfer immer den Aufenthaltsort des Täters wissen müssen oder es zu lernen bestimmte Situationen einzuschätzen. Der Glaube der Opfer die Situation selbst kontrollieren zu können bewirkt, dass sie sich weniger ausgeliefert fühlen. Ein weiterer Zwang ist der Waschzwang. Ein innerer Druck zwingt die Betroffenen sich ständig zu waschen, um so den Schutz und Schande des Missbrauchs einfach abzuwaschen und sich dann wieder rein zu fühlen.


Selbstverletzung und Hass auf sich selbst

Die Opfer entwickeln häufig sich selbst verletzende Verhaltensweisen zum Beispiel das „Ritzen“. Oft kommt es auch vor, dass sie sich die Haut mit Zigaretten verbrennen. Suizidversuche sind nicht selten zu verzeichnen. Gründe für dieses Verhalten liegen im inneren Schmerz der Opfer, sie wollen ihn nicht mehr spüren. Ein anderer Grund ist der Verlust der eigenen Gefühle und Empfindungen (auch die körperlichen), so wollen sie wenigstens irgendetwas spüren.


Depressives Verhalten

In vielen Fällen können die Opfer, wegen des erlittenen großen Schmerzes, kaum noch Schönes fühlen. Das häufige Ausbleiben eigener Empfindungen lässt sie ängstlich, sehr oft traurig und depressiv werden.


Aggressives Verhalten

Nach dem Motto "Angriff ist die beste Verteidigung" sind Aggressionen gegen das Umfeld der Gegensatz zum sich selbst verletzenden Verhalten. ("Ich schlage lieber um mich, bevor jemand mir Leid zufügt.")


Überanpassung

Das ist Ausdruck dessen, dass dem Opfer sein Selbstwertgefühl verloren gegangen ist. Der Betroffene versucht bloß niemanden mehr aufzufallen ("Keiner wird mir Leid zufügen, wenn ich von niemandem bemerkt werde.")


Vernachlässigung des Körpers und Negierung der Rolle der Geschlechter

Dem weiblichen Geschlecht anzugehören verbinden viele betroffene Mädchen mit „verfügbar für Männer zu sein" und lehnen deshalb ihre Weiblichkeit ab. Die Mädchen glauben auch, dass kein Mann sie beachtet, wenn sie unattraktiv sind. In der Folge können sich nicht selten auch Essstörungen entwickeln. Die Reize des weiblichen Körpers sollen verschwinden so dass sie als Frau nicht anerkannt werden. Die Vernachlässigung der Körperpflege kann ein weiterer Aspekt der Ablehnung des eigenen Körpers sein. Unbewusst wird das als eine Abwehrmaßnahme entwickelt gegen mögliche Übergriffe beziehungsweise, dass der Betroffene von jemandem attraktiv gefunden werden könnte. Es gibt Extrembeispiele bei denen das Zähneputzen über Jahre nicht erfolgte und schließlich ein vollständiger Verlust der Zähne eintrat. Durch vernachlässigte Hygiene können weitere Folgen wie ständig wieder auftretende Entzündungen vorkommen.


Gestörtes soziales Verhalten

Kontakte des Betroffenen zu Bekannten und Freunden werden entweder durch den Täter unterbunden oder das geringe Selbstwertgefühl des Opfers verursacht die Kontaktschwierigkeiten ("Ich bin schlecht und Menschen, die genau hinschauen werden das bemerken und dann nichts mehr mit mir zu tun haben wollen." "Niemand kann mich gern haben.")



Störungen psychosomatischer Natur

Beeinträchtigungen des Schlafes, Leistungs- und Konzentrationsstörungen, Verdauungs- und Essstörungen, Kreislaufinstabilität/Ohnmacht, Asthma/Erstickungsanfälle, Migräne/Kopfschmerzen, Allergien bzw. dermatologische Erkrankungen, Unterleibs- und Bauchschmerzen, Haltungsbeeinträchtigung, Bewegungsstörung.



Physische Folgen und Krankheitsbilder

Geschlechtskrankheiten, Verletzungen im Genital- und Analbereich: Narbenbildung, Blutergüsse, Risse usw., Störungen im Genital- uns Analbereich: unklare Blutungen, Entzündungen, Hautrötungen, Juckreiz, Schwellungen, Gehäufte Harnweg-Infektionen, Striemen an erogenen Zonen, Abschürfungen, Hämatome, Knochenbrüche, Sonstige Verletzungen.



Auswirkungen auf das Sozialverhalten

Betroffene werden zum Einzelgänger, sind misstrauisch und verschlossen.
Gegen bestimmte Männer- und Frauentypen entwickeln sie ein auffälliges Verhalten.
Opfer entwickeln auch gegen Personen abneigendes Verhalten, die dem Täter irgendwie ähnlich sehen.
Als Versuch sich vor weiteren Missbrauchshandlungen zu schützen, wird anderen Menschen kein Vertrauen geschenkt. Um die Missbrauchssituation nicht mehr heraufzubeschwören werden bestimmte Situationen, Orte und Personen gemieden.
Die eigene Wahrnehmung ist gestört. Betroffene rutschen auch nicht selten in die Kriminalität ab, sie stehlen und lügen (das sind Versuche Aufmerksamkeit zu erregen) Opfer laufen auch von zu Hause davon, als weitere Auffälligkeit im Sozialverhalten, entwickeln Aggressivität oder hyperaktives Verhalten.



Folgen mit Langzeitwirkung

Wenn das Opfer nicht ummittelbar nach dem Tatgeschehen professionelle Hilfe erhält, können sich die Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs manifestieren. Die Folgen mit Langzeitwirkung bekommt in erster Linie der Partner ganz besonderes mit, zum Teil mit persönlichem Bezug. Ein großer Teil dieser Auswirkungen gehören zum Alltag. Es muss an den Auswirkungen der Langzeitfolgen intensiv gearbeitet werden, sonst können diese eine Partnerschaft gefährden oder sogar scheitern lassen. Es ist noch mal zu betonen, dass das Opfer an den Folgen arbeiten muss, diese Aufgabe ist nicht Sache des Partners. Es liegt jedoch in den Händen beider Partner den Bestand der Beziehung zu sichern.


Durch sexuellen Missbrauch hervorgerufene Langzeitauswirkungen

Mangelndes Selbstwertgefühl, Unfähigkeit das eigene leben zu gestalten und Entscheidungen zu treffen, Ignorierung/ Ablehnung geschlechtlicher Bedürfnisse, Funktionelle Sexualstörungen, Störungen in der eigenen Körperwahrnehmung, Selbstverletzung, Hass auf sich selbst, Schwierigkeiten Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, Essstörungen, Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Probleme im beruflichen Leben.




 

 
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