Täter und Opfer


Die Opfer häuslicher und sexueller Gewalt sind uns allen bekannt und auch die dazugehörigen Täter.

Leider wird dieser Tatbestand in vielen Fällen nicht öffentlich gekannt, weil die Betroffenen sich aus Scham und Angst in Schweigen hüllen, die Täter hingegen bagatellisieren oder vertuschen ihre Handlungen. Zur Verdeutlichung des Ausmaßes dieser Art von Gewalt gegen Kinder und Frauen können schon wenige Zahlen reichen.
 

Sexueller Missbrauch an Kindern ist besonders verabscheuungswürdig, ungefähr jedes vierte Mädchen und etwa jeder neunte Junge ist als Kind davon betroffen. Körperliche oder/und sexuelle Gewalt widerfährt jeder fünften Frau durch ihren Lebenspartner oder ihren Ex-Partner. Opfer
einer Vergewaltigung oder sexuell genötigt wird schätzungsweise jede siebte Frau.

 

Durch alle gesellschaftlichen Schichten ziehen sich häusliche und sexuelle Gewalttaten. Sowohl hoch gebildete Menschen als auch einfache Arbeiter, meistens sind es Männer, kommen als Täter in Frage. In den meisten Fällen sind die Täter aus dem Bekanntenkreis der Opfer.

 Die Ausübung körperlicher, psychischer und sexueller Gewalt ist in aller Regel nicht die Tat psychisch gestörter Menschen obgleich diese Gewaltakte diese Vermutung nahe legen. Die Täter ziehen einen Nutzen aus ihrer Gewaltausübung (beispielsweise ein Stärke- und Überlegenheitsgefühl) und werden meistens nicht daran gehindert.

Die Opfer körperlichen oder sexueller Übergriffe erleiden meist schwerwiegende körperliche und seelische Verletzungen. Frauen denen in Ihrer Partnerschaft Gewalt angetan wird und Kinder an denen sexueller Missbrauch verübt wird haben häufig nicht die Kraft sich allein aus dieser gestörten Beziehung zu befreien. Diese Opfer benötigen von außerhalb Hilfe.

Beleidigungen, Drohungen, Erniedrigungen, Demütigungen weiter über Prügel und Vergewaltigung bis hin zum Totschlag all das umfasst häusliche Gewalt. Die Gewaltausübung erfolgt in den meisten Fällen wiederholt über einen langen Zeitraum. Die Folgen für die Frauen und Kinder sind körperlicher, psychischer, sozialer und ökonomischer Natur und gravierend.

Körperliche und /oder sexuelle Gewalt und Misshandlung von Kindern sind vor allem ein massiver Vertrauensbruch in einer Beziehung. Das ist der Grund warum Opfer ganz schwer Beziehungen und Partnerschaften aufbauen können.
 

Ein Kind entwickelt eine lebensnotwendige Urbeziehung zu seinen unmittelbaren Bezugspersonen. Diese Beziehung wird bei Inzest und Kindesmisshandlung auf verheerende Weise zerstört.

Ein Inzest-Täter verlangt bezeichnenderweise unter Androhung von Sanktionen Geheimhaltung seiner Taten was das Gegenteil einer fairen Auseinandersetzung darstellt. Das Urvertrauen des Kindes, das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit wird aufs brutalste zerstört. Dieser kleine Mensch, der Inzest erleben muss, kann sich auf wirklich gar nichts mehr verlassen. Die entscheidende Urbeziehung in seinem Leben, die für künftige Beziehungen Modell und Vorbild sein wird, ist zerstört. Dadurch erfährt das Opfer eine Beziehung schlechthin als Traumata.
Ein Trauma ist eine Verletzung der Seele, die das Kind davongetragen hat und wie auch körperliche Wunde, braucht sie Pflege und Zeit‚ um zu heilen.

Abgesehen von den neurologischen und biologischen Folgen der sexuellen und der körperlichen Misshandlung kann die traumatisierte Beziehung für kommende Beziehungen ganz selbstständige Folgen entwickeln:

- unbewusst werden künftige Beziehungen immer in Vergleich mit der manifestierten Erfahrung gesetzt

- ebenfalls unbewusst werden Beziehungen überhaupt als potentiell gefährlich eingestuft

- das Bedürfnis des Abstandes ist in Folge dessen häufig größer als bei "normalen" Menschen.
Extremsten Falls führt der Widerspruch zwischen Abstand und Nähe zu Spaltungs- Erscheinungen

- es ist kaum oder unmöglich Vertrauen aufzubauen vor allem in den Teilbereichen, die mit dem Trauma verwandt sind

- die Reaktion auf Störungen ist äußerst empfindlich, das Vermögen auszugleichen minimiert

- Opfer, die überlebt haben, sind von Anfang an kaum in der Lage eine harmonische Beziehung aufzubauen. In vielen Fällen ist die Partnerwahl ebenfalls problematisch, so dass ein Beziehungsaufbau unmöglich wird.

 

 
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